Portrait eines aufmerksam blickenden Kindes.

Extra-Blick

Den Blick schärfen – für die Lernentwicklungen jedes einzelnen Kindes und Jugendlichen. Das Land stellt ein Online-Angebot für fachliche und überfachliche Diagnose und Förderung zur Verfügung. Auch die schon jetzt jeder Schule zur Verfügung stehenden Ressourcen und Spielräume sollen dabei in den Blick genommen werden.

Unabhängig davon, wie sich die Pandemie-Situation im Laufe des Schuljahres entwickelt, ist es unser oberstes Ziel , Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an ihren individuellen Lernentwicklungen und Lernerfahrungen abzuholen, Lernfreude (neu) zu beleben und die Schul- und Klassengemeinschaften wieder zu festigen.

Mit "Extra-Blick" werden die Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt gestellt. Es geht darum, den Blick zu schärfen – für die individuellen Lernentwicklungen und -erfahrungen jedes einzelnen Kindes. 

      Schule (wieder) als Lern- und Lebensraum wahrnehmen

      Die Zeit des Ankommens soll den Schulen Möglichkeiten und Freiräume bieten, Schule wieder als Lern- und Lebensraum zu gestalten und als Schulgemeinschaft wieder zusammenwachsen.

      Um Schule als einen solchen Ort zu gestalten, sollen außerunterrichtliche Projekte, außerschulische Lernorte, Sport- und Bewegungsangebote und Möglichkeiten der kulturellen Begegnung schulintern und -extern genutzt werden.

      Kennenlernspiele und Bewegungspausen

      Auch in diesem Schuljahr finden sich – jedoch geprägt von den Erfahrungen der Pandemiezeit – Erstklässlerinnen und Erstklässler in einen ihnen unbekannten Alltag ein. Schülerinnen und Schüler, die zu einer weiterführenden Schule gewechselt sind, blicken auf ein besonderes Schuljahr zurück. An der weiterführenden Schule treffen sie auf neue Mitschülerinnen und Mitschüler, neue Lehrkräfte und ihnen unbekannte Strukturen. Doch auch bestehende Lerngruppen wollen wieder zueinander finden und einander kennenlernen.

      Mehr Bewegung und Begegnung ermöglichen

      Bewegung ist während des Distanzunterrichts leider oft zu kurz gekommen und auch während der Präsenzzeiten war der Sportunterricht immer wieder Restriktionen ausgesetzt.

      Aber gerade Bewegung, Spiel und Sport leisten einen wichtigen Beitrag zur sozial-emotionalen Persönlichkeitsentwicklung von Schülerinnen und Schülern. Dabei zeigt die körperliche Aktivität positiv Auswirkungen auf die physische, psychosoziale und geistige Gesundheit. Insbesondere in der Pandemiesituation sollen Möglichkeiten dieser positiven Einflussnahme auf die Gesundheit von Schülerinnen und Schülern in Schulen bewusst ausgeschöpft werden.

      Außerschulische Lernorte erkunden

      Für einige Schülerinnen und Schüler war die Pandemie eine anregungsarme Zeit ohne die Möglichkeit, neue Orte zu erschließen und Erfahrungen zu sammeln. Die ersten Schulwochen bieten auch Gelegenheiten, um mit Schülerinnen und Schülern außerschulische Lernorte zu erkunden.

      Lernstände ermitteln: mehr als ein punktuelles Testen von Fachwissen

      Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie zeigen, wie wichtig es ist, zielgenau an den Lernausgangslagen anzusetzen. 

      Jede Schule hat eine eigene, den jeweiligen besonderen Bedingungen angepasste Diagnose- und Unterstützungskultur zur angemessenen individuellen Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler. Ergänzend hierzu stellt die Qualitäts- und Unterstützungsagentur – Landesinstitut für Schule (QUA-LiS NRW) den Schulen ein Online-Angebot zur Verfügung, um mögliche Lernrückstände aufzuholen. Die in diesem Angebot zusammengestellten Unterstützungsmaterialien beziehen sich sowohl auf das fachliche als auch auf das überfachliche – wie etwa das sozial-emotionale – Lernen.

      Das Land stellt dazu ein Online-Angebot für Diagnose und Förderung zur Verfügung. Zur Unterstützung der Arbeit in den Schulen vor Ort hat QUA-LiS NRW ein Online-Portal mit Materialien zur Diagnose- und Förderung zusammengestellt, aus der die Lehrkräfte zur individuellen Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler die für sie geeigneten Materialien auswählen können. Diese Materialien beziehen sich sowohl auf das fachliche als auch auf das überfachliche Lernen – z. B. das sozial-emotionale Lernen, die Lernentwicklung, das Feedback und die Beratung sowie die Sprachbildung.

      Aktuell enthält das Online-Portal Angebote für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch, sowohl für die Primarstufe als auch für die Sekundarstufen I und II und die Berufskollegs – für nahezu alle Jahrgangsstufen von der Jahrgangsstufe 1 bis zur Jahrgangsstufe 13, und es berücksichtigt alle Schulformen. Das Angebot will die schulischen Förderkonzepte und die gute Praxis an den Schulen ergänzen und unterstützen. 

      Je nach schulischer Situation haben Lehrkräfte so die Möglichkeit, Angebote individuell für ihre jeweiligen Schülerinnen und Schüler auszuwählen, anzupassen, zu ergänzen und im Rahmen ihrer schulischen Förderkonzepte einzusetzen. 

      Vertraute Strukturen nutzen

      In Zeiten des Unbekannten ist es hilfreich, auf vertraute Strukturen zurückzugreifen. Die vielfältigen Pandemieerfahrungen lassen sich gezielt und gewinnbringend in den neuen Unterrichtsalltag einbinden:

      • Nutzung der neu erworbenen Kompetenzen hinsichtlich der Kommunikations- und Arbeitsstrukturen von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften
      • Einbindung persönlicher Erfahrungen von und mit Schülerinnen und Schülern
      • Nutzung von in der Pandemie entstandenen Ritualen für individuelle Rückmeldungen
      • Etablierung einer systematischen, nachhaltigen und ganzheitlichen Planung der individuellen Förderung

      Dies ist insbesondere auch für Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung von besonderer Bedeutung.

      All das kann nur über den gemeinsamen pädagogisch-fachlichen Austausch aller an Schule Beteiligten gelingen – dies bezieht die schulbezogenen Mitwirkungsgremien und außerschulischen Partner, die Arbeit etwa in den Fachschaften, Bildungsgangteams und Konferenzen sowie selbstverständlich auch die Zusammenarbeit der Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern sowie den Erziehungsberechtigten, Ausbildenden etc. ein.

      Den Lernerfolg messen und bewerten

      Aus der Zeit des Ankommens entwickeln sich nach und nach wieder vertraute Lern- und Leistungssituationen. Ab Ende August kann ein Übergang zum unterrichtlichen Schulalltag, der auch Leistungsüberprüfungen, Klausuren und Klassenarbeiten beinhaltet, erfolgreich gelingen. Bis dahin eignet sich die Nutzung zur Verfügung stehender Spielräume, die durch die Ausbildungs- und Prüfungsordnungen und schulinterne Lehrpläne und Konzepte gegeben werden:

      • Ausbildungs- und Prüfungsordnungen aller Schulformen
      • schulinterne Methoden- und Leistungskonzepte der Primarstufe
      • schulinterne Lehrpläne der weiterführenden Schulen
      • didaktische Jahresplanungen und Leistungsbewertungskonzepte der Berufskollegs
      • Förderpläne im Kontext der sonderpädagogischen Förderung

      „Handlungs- und Gestaltungsspielräume nutzen“

      Schülerinnen und Schüler der Primarstufe

      Um die zeitlichen Ressourcen für intensive individuelle Förderung voll nutzen zu können, sollen in Grundschulen möglichst keine Leistungsüberprüfungen bis Ende August 2021 stattfinden. Die wesentliche Aufgabe aller Lehrkräfte in der Primarstufe besteht darin, nach einer längeren Phase der Abwesenheit wieder an geordnete Strukturen des Unterrichts in Präsenz heranzuführen und erfolgreiche Lernprozesse zu ermöglichen. Einen Überblick über den Lernstand der Schülerinnen und Schüler erhalten Lehrkräfte mithilfe passender Diagnosematerialien, an die individuelle Lernangebote anknüpfen. Diese Erhebungen von Lernständen sind nicht zu benoten.

      Die Verordnung über den Bildungsgang in der Grundschule (Ausbildungsordnung Grundschule - AO-GS) führt unter § 5 Leistungsbewertung in Absatz 1 aus: „Zur Feststellung des individuellen Lernfortschritts sind nach Maßgabe der Lehrpläne kurze schriftliche Übungen zulässig. Schriftliche Arbeiten werden in den Klassen 3 und 4 in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch geschrieben.“ Eine Anzahl von Klassenarbeiten, die pro Halbjahr bzw. Schuljahr zwingend geschrieben werden muss, ist nicht vorgegeben.

      Alternativ zu schriftlichen Klassenarbeiten können auch andere Formen der Leistungsfeststellung stärker fokussiert werden. Auf Grundlage der AO-GS und der Vorgaben der Richtlinien und Lehrpläne der einzelnen Fächer finden sich diese im konkreten Leistungskonzept der einzelnen Grundschule wieder. Auf diesem Wege kann die Aufarbeitung möglicher Lernrückstände prozessorientiert umgesetzt und der individuellen Förderung in hohem Maße Rechnung getragen werden.

      Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung

      Sofern Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung an Schulen des Gemeinsamen Lernens oder Förderschulen nach den Lehrplänen der Grundschule oder der Bildungsgänge der weiterführenden Schulen unterrichtet werden, gelten für diese Schülerinnen und Schüler die oben genannten Bestimmungen analog.

      In allen übrigen Fällen erfolgt wie bisher die Leistungsbeurteilung auf der Basis individueller Förderpläne, denn über diese individuellen Anforderungsprofile im Rahmen der individualisierten Vorgaben der zieldifferenten Bildungsgänge in den Förderschwerpunkten „Lernen“ sowie „Geistige Entwicklung“ kann die Leistungsbereitschaft und die Leistungsfähigkeit dieser Schülerinnen und Schüler motivierend aufgegriffen und gestärkt werden.

      Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I

      In der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Sekundarstufe I besteht nach § 6 Abs. 8 Satz 1 folgende Möglichkeit: „Einmal im Schuljahr kann pro Fach eine Klassenarbeit durch eine andere, in der Regel schriftliche, in Ausnahmefällen auch gleichwertige nicht schriftliche Leistungsüberprüfung ersetzt werden.“

      Lehrkräfte oder Fachschaften können diesen ausgewiesen Freiraum nutzen, um die erste Leistungsüberprüfung individuell an die Situation der Schülerinnen und Schüler vor Ort anzupassen. Je nach Lernausgangslage, vorangegangener Diagnostik und ergriffenen Fördermaßnahmen kann dieser Gestaltungsspielraum der Ausbildungs- und Prüfungsordnung auch dazu dienlich sein, individuelle Lernerfolgsmessungen dahingehend zu nutzen, individuell aufgearbeitete Inhalte und Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler nachzuweisen. Schülerinnen und Schüler könnten so in ihrer Motivation, Lernrückstände aufzuarbeiten, motiviert werden. Dies kann auch dem Aspekt der individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler in einem hohen Maß Rechnung tragen.

      Nach der Zeit des Ankommens sollen die Schülerinnen und Schüler möglichst viele Gelegenheiten und Angebote erhalten, Versäumtes aufzuholen und Chancen für einen erfolgreichen Wiedereinstieg in Lernprozesse zu erhalten. Das Land Nordrhein-Westfalen setzt dabei im Rahmen des Programms „Ankommen und aufholen“ auf unterschiedliche Programmbestandteile, die einander sinnvoll ergänzen, und die letztendlich einem Ziel dienen: unsere Kinder und Jugendlichen beim Abbau von Lernrückständen infolge der Pandemie wirkungsvoll zu unterstützen.