Schüler schaut im Unterricht durch ein Mikroskop.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

– eine Zukunftsaufgabe für unsere Schulen

Wie kann eine sozial gerechte, wirtschaftlich erfolgreiche und ökologisch verträgliche gesellschaftliche Entwicklung so gestaltet werden, dass alle Menschen – sowohl gegenwärtig als auch zukünftig lebende Generationen – ein gutes Leben führen können?

Wie kann eine sozial gerechte, wirtschaftlich erfolgreiche und ökologisch verträgliche gesellschaftliche Entwicklung so gestaltet werden, dass alle Menschen – sowohl gegenwärtig als auch zukünftig lebende Generationen – ein gutes Leben führen können? Diese grundlegende Frage nachhaltiger Entwicklung geht uns alle an, als Individuen und als Gesellschaft.

Unter nachhaltiger Entwicklung wird eine Entwicklung verstanden, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen“. So formulierte es die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung bereits 1987 im sogenannten Brundtland-Bericht. Die Forderung, diese Entwicklung dauerhaft zu gestalten, wurde an alle Länder und Menschen gerichtet.

Gemäß dieser Überzeugung verabschiedete die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 mit der Agenda 21 ein Aktionsprogramm für eine nachhaltige Weltentwicklung. Kapitel 36 der Agenda 21 maß Bildung bei der Verwirklichung von nachhaltiger Entwicklung schon damals eine wichtige Rolle zu.

2015 beschlossen die Vereinten Nationen die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Mit ihren 17 Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) stellt diese Agenda ein ehrgeiziges globales Zielsystem für die nachhaltige Entwicklung unserer Welt dar. Die SDGs beschreiben wichtige Entwicklungsherausforderungen für die Menschheit. Alle Nationen sind aufgefordert, ihren eigenen Beitrag zu einer solchen Entwicklung zu leisten.

Insbesondere in SDG 4 werden Bildungs- und Erziehungsaufgaben formuliert: Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat die Aufgabe, uns angesichts der komplexen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen. Unsere Schulen sind im Rahmen ihres Bildungs- und Erziehungsauftrages gefordert, unsere Schülerinnen und Schüler in Unterricht, in schulischen Projekten und im Schulalltag bei dem Erwerb der dafür notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen zu unterstützen.

Am 20. Juni 2017 hat die Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung während ihrer fünften Sitzung den Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms Bildung für nachhaltige Entwicklung (2015-2019) verabschiedet. Auch die KMK beteiligt sich aktiv, beispielsweise mit der Empfehlung „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule“ oder mit dem „Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung“.

Seit 2011 gibt es die Agentur Bildung für nachhaltige Entwicklung. Aufgabe der Agentur ist u.a. die Entwicklung einer landesweiten Strategie zu Bildung für nachhaltige Entwicklung unter Beteiligung aller fachlich betroffenen Landesministerien wie auch zivilgesellschaftlicher Organisationen. Die Strategie soll dafür sorgen, BNE auf Landesebene und in den vielfältigen örtlichen und regionalen Bildungseinrichtungen, Bildungsnetzwerken und Bildungslandschaften zu verankern.

BNE-Lernprozesse in der Schule zielen darauf ab, dass die Schülerinnen und Schülern ihre mögliche Rolle in einer komplexen Welt reflektieren, eigene Handlungsspielräume erkennen und sich trotz Widersprüchen, Unsicherheiten und Zielkonflikten aktiv und kreativ an der Gestaltung von Zukunft beteiligen.

BNE in Nordrhein-Westfalen hat bereits eine lange Tradition. BNE ist vielerorts im Unterricht, in Projekten, im Schulleben und in Kooperationen mit außerschulischen Partnern verankert.

Die Kernlehrpläne weisen eine Fülle möglicher Anknüpfungspunkte für BNE auf.

BNE weist darüber hinaus historisch gewachsene Bezüge zur Umweltbildung, zur entwicklungspolitischen Bildung, zum Globalen Lernen, zur Friedenspädagogik oder Interkulturellen Bildung auf. Zugleich zeigen sich Bezüge zu und Schnittmengen mit verschiedenen anderen pädagogischen Konzeptionen und Zielsetzungen, die für die schulische Bildung und Erziehung in Nordrhein-Westfalen bedeutsam sind, etwa Konzepte der Gesundheits- oder Mobilitätserziehung, der Verbraucherbildung an Schulen, der Bildung in der digitalen Welt  oder der Inklusion. All diese Konzepte verdeutlichen, dass die Probleme und Herausforderungen, mit denen sich Gesellschaften im 21. Jahrhundert konfrontiert sehen, fachlich begründet sind, aber nicht vor Fächergrenzen stehen bleiben.

Die Komplexität von Nachhaltigkeit erfordert es, mit Zielkonflikten umzugehen, die unter anderem auf unterschiedlichen Interessenlagen und Beurteilungen beruhen. 

Für unsere Schulen gilt es, die Prinzipien der politischen Bildung, das Überwältigungsverbot, das Kontroversitätsgebot und das Gebot der Schülerorientierung zu beachten. Genauso wenig sollte BNE rückwärtsgewandt agieren oder gar Ängste schüren. BNE wird von unseren Schülerinnen und Schülern nur angenommen, wenn erkannt und herausgestellt wird: Zukunft ist gestaltbar!

Die Verknüpfung von Unterricht und Projekten führt zu in sich stimmigen Schulprogrammen, die BNE sogar in den Mittelpunkt der Schulentwicklung stellen. 

Die NRW-Kampagne „Schule der Zukunft – Bildung für Nachhaltigkeit“ befindet sich in der Trägerschaft der Natur- und Umweltschutzakademie des Landes NRW und wird gemeinsam vom Ministerium für Schule und Weiterbildung und vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes NRW (MULNV) gefördert. Sie besteht in ihrer jetzigen Form schon seit 2008 und geht mit über 600 teilnehmenden Schulen und über 30 aktiven Netzwerken in Sachen BNE voran. Sie zeichnet Schulen und Netzwerke aus, die im Unterricht und im schulinternen Lehrplan, bei ihren außerunterrichtlichen Aktivitäten und Kooperationen BNE in die Tat umsetzen und zu ihrem Leitbild machen.

Weitere Vorreiterschulen in Sachen BNE sind die FairTrade-Schulen, die UNESCO-Projektschulen, die Nationalparkschulen Eifel und die sich etablierenden Verbraucherschulen. Hinzu kommen viele schulische Initiativen und Projekte, die sich für Menschenrechte, kulturellen Austausch, Völkerverständigung und demokratische Partizipation einsetzen.

Flankiert werden diese Aktivitäten durch die im Jahr 2017 veröffentlichte Rahmenvorgabe zur Verbraucherbildung, Maßnahmen zur Verankerung von BNE in der Lehrkräftefortbildung, die Entwicklung einer „Leitlinie BNE“ oder die Teilnahme Nordrhein-Westfalens am Programm „Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Neue Chancen für das schulische Leben entstehen durch die Öffnung zum umgebenden Sozial- oder Naturraum, die Kooperation mit außerschulischen Bildungsakteuren, etwa aus den Bereichen der Ökologie oder des Globales Lernens, die Bildung multiprofessioneller Teams oder neue Lern- und Arbeitsformen in Projekten und Aktionen. Manche Schulen entwickeln sich in Gänze zu einer nachhaltigen Institution, indem sie sich z.B. über ein Öko-Audit zertifizieren lassen. Dabei lässt sich das klassische Öko-Audit auch erweitern, indem Aspekte des Fairen Handels oder ökologische und ökonomischer Entscheidungen mit globalen Entwicklungen verknüpft diskutiert werden.

Beispielhaft dafür stehen die „Schulen der Zukunft“ oder das Förderprogramm „Demokratisch Handeln“.

In Portalen, Suchmaschinen und Internetseiten von wichtigen Nachhaltigkeitsakteuren finden sich zahlreiche Bildungsmaterialien, Publikationen und Projekte, die für Lehrer und Lehrerinnen im Kontext von BNE von Interesse sein können.

Einige Projekte und Aktivitäten zu BNE für Schulen